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Das System der "zweit"-IOL

Der Begriff Add-On ist aus dem Englischen von „to add" abgeleitet und bedeutet so viel wie hinzufügen bzw. die Erweiterung/ der Zusatz.

Als Add-On beschreiben wir das spezielle Konzept, eine „Zweit"-IOL" zusätzlich zur herkömmlichen Intraokularlinse in das Auge zu implantieren.

Primäre IOLs werden im Normalfall an den Ort im Auge eingesetzt, an dem sich vor dem Entfernen des Grauen Stars auch die natürliche Augenlinse befunden hat, den Kapselsack (4). Die Add-On Linse wird zusätzlich zur Erst-IOL vor diese platziert, in den Bereich, der Sulcus ciliaris genannt wird (3).

Add-On Linsen haben ein spezielles Design. So sind sie zum Beispiel etwas größer als herkömmliche IOLs, um einen sicheren und stabilen Halt zu gewährleisten.

Nach der Operation wird der Patient das Implantat nicht spüren und für andere Personen wird die zusätzliche Linse mit bloßem Auge nicht sichtbar sein. Beide Linsen können problemlos dauerhaft im Auge verbleiben. Bereits im Jahr 2000 wurde die erste Add-On IOL erfolgreich implantiert.

  Zweit-IOL

 

WANN WERDEN ADD-ON LINSEN VERWENDET?

Das moderne Verfahren, zwei künstliche Linsen in ein Auge zu implantieren, ist bei verschiedenen Situationen sinnvoll.
Am häufigsten wird eine Add-On Zusatzlinse gewählt, um eine vorhandene Fehlsichtigkeit wie Kurz- und Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung zu korrigieren, die auch nach bereits erfolgter Operation des Grauen Stars verblieben ist. Somit kann die Sehleistung verbessert und der Patient im Regelfall im Alltag ohne Brille oder Kontaktlinse auskommen.
 
Mit dem Typ Add-On Diffractiva® kann eine weitgehende Brillenunabhängigkeit nicht nur in der Ferne, sondern auch im Nahbereich ermöglicht werden. Somit stehen die Vorteile der neuartigen multifokalen Linsen auch Patienten zur Verfügung, die bereits am Grauen Star operiert wurden als Multifokallinsen noch nicht zur Wahl standen.
 
Der große Vorteil beim Einsetzen einer zweiten IOL liegt darin, dass das Hinzufügen einer Add-On Linse medizinisch deutlich einfacher und weniger traumatisch ist, als die Entfernung und der Austausch der Primärlinse.

Im Gegensatz zu Laser-Eingriffen zur Sehfehlerkorrektur (LASIK, etc.) wird beim Verfahren mit Add-On Linsen kein natürliches Hornhautgewebe abgetragen. Die Hornhaut des Auges bleibt bis auf einen kleinen (sofort wieder verschließenden) Einschnitt von wenigen Millimetern am Hornhautrand unberührt. Da kein Gewebe abgetragen wird, ist der Vorgang reversibel, d.h. die Add-On Linse könnte jederzeit wieder entnommen werden.

In diesen Anwendungsbeispielen werden Primär- und Add-On-IOL in zwei getrennten Operationen implantiert. Wie lange die Operation des Grauen Stars hierbei zurückliegt ist praktisch unerheblich. Das Add-On Verfahren kann jederzeit angewendet werden.
 
Es kann aber auch Fälle geben, in denen beide Linsen zeitgleich in einer Operation ins Auge eingesetzt werden. Ein solcher Einsatz der Add-On Linsen ist zum Beispiel bei sehr hohen Fehlsichtigkeiten gegeben, die hohe Dioptrienstärken erfordern. Die entsprechend hohe Dioptrienstärken kann dabei auf zwei Einzellinsen aufgeteilt werden die sich im Auge in ihrer Wirkung aufaddieren. So können auch extrem hohe Dioptrienstärkeanforderungen mit trotzdem relativ dünnen, faltbaren Linsen erfüllt werden.
 
Die Anwendungsgebiete von Add-On Linsen sind sehr variabel und je nach individueller Indikation sehr unterschiedlich. Für weitere Erklärungen, wann und warum ein Add-On Vorgehen von Vorteil ist, wenden Sie sich bitte an Ihren Augenarzt. Grundsätzlich kann man sagen, dass dem Arzt mit diesem System viele Kombinationsmöglichkeiten vorliegen, die es ihm erlauben, so individuell wie möglich auf jeden einzelnen Patienten einzugehen, um das bestmögliche Sehen im Einzelfall zu erreichen.